| Das Tübinger Bläseroktett ensemble nachtmusik lädt herzlich ein zum Konzert am 9.
Januar 2011 in Weilimdorf. Zur Aufführung gelangt die Donaueschinger Harmoniemusik
zu Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ – die einzige bekannte Bläserfassung einer Oper, die möglicherweise
von Mozart selbst angefertigt wurde. Es musizieren Henriette Wagner und Frieder Haagk (Oboe), Bernhard Ernst und Frank
Sattler (Klarinette), Markus Narbe und Fabian Kurze (Horn), sowie Ulrike Tsalos und Ann-Katrin Zimmermann (Fagott).
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Kaiser Joseph II in Wien gründete 1782 ein Ensemble aus acht versierten Bläsern des Hoftheaters und verlieh dem
vorzüglichen Ensemble den Titel „k. k. Harmonie“. Fürstenhöfe – wie beispielsweise der in Donaueschingen – eiferten
mit ihren Harmonie-Ensembles dem kaiserlichen Vorbild nach. Die häufig aus Opernorchestern rekrutierten Musiker
brachten neben eigens für sie komponierten Nachtmusiken, Divertimenti und Serenaden vielfach ihr Repertoire aus
den Theatern mit: Besonderer Beliebtheit erfreuten sich Arrangements der gerade populären Opern. Mit solchen
Opernarrangements ließ sich – ähnlich wie mit Klavierauszügen – auch ein gutes Geschäft machen: Von einem
regelrechten Wettlauf um die schnellste Fabrikation des Bläserarrangements erfahren wir aus einem Brief Wolfgang
Amadeus Mozarts aus Wien an seinen Vater in Salzburg vom 20. Juli 1782: „Nun habe ich keine geringe arbeit. – bis
Sonntag acht tag muß meine Opera auf die harmonie gesetzt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt
meiner den Profit davon (...). sie glauben nicht, wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es
den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht.“ Bei der „Opera“ handelt es
sich um die kurz zuvor entstandene „Entführung aus dem Serail“. Mit Mozarts Harmonie-Fassung, die dem sonst so
scheinbar mühelos komponierenden Genie offenbar gar nicht leicht von der Hand ging – könnte genau jenes Werk gemeint
sein, das im Neujahrskonzert zur Aufführung gelangt: Seit diese Oktett-Version der „Entführung“ in den reichhaltigen
Musikalienbeständen des Donaueschinger Hofes entdeckt wurde, sorgt sie für Diskussion in der Mozart-Forschung, denn
sie ragt aus den vielen Bläser-Bearbeitungen der Zeit qualitativ weit heraus: Der Bearbeiter begnügt sich nicht damit,
den Satz auf die acht Instrumente zu übertragen, sondern erschafft die Musik vielmehr neu als hoch- und eigenwertige
Bläser-Kammermusik: Ganze Abschnitte sind hinzu komponiert und die subtile Bläserbehandlung gleicht auffällig den in
zeitlicher Nähe entstandenen Serenaden in Es-Dur (KV 375) und c-moll (KV 388). Es ist schwer vorstellbar, dass ein
anderer als Mozart selbst in jener Zeit in der Lage gewesen wäre, ein solch kunstvolles, meisterhaftes Arrangement –
oder besser: eine solche Neukomposition der Oper für Bläserensemble anzufertigen.
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